Verbraucherzentrale positioniert sich zur Digitalisierung im Gesundheitswesen – auch zum Nutzen der PatientInnen?

datenschutzrheinmain/ Oktober 23, 2016/ alle Beiträge, eGk - e-Health-Gesetz - Telematik-Infrastruktur/ 1Kommentare

Die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat auf einer Tagung am 19.10.2016 zum Thema „Digitalisierung in der Gesundheitsversorgung“ ein eigenes Positionspapier vorgelegt.

Aus PatientInnensicht betrachtet muss man den Eindruck gewinnen, dass die vom vzbv vertretenen Positionen mindestens ambivalent sind. Sie können durchaus auch als “Schützenhilfe” für die eGk- und E-Health-Protagonisten verstanden und ge- und mißbraucht werden.

Schon der wiederholte positive Bezug auf Österreich und auf ELGA, die elektronische Gesundheitsakte (ein System, in dem Gesundheitsdaten per gesetzlichem Zwang so lange zentral gespeichert bleiben bis jemand für sich selbst diese Speicherung ausschließt – opt-out) macht  misstrauisch. ELGA erhielt 2014 den österreichischen BigBrotherAward in der Kategorie „Lebenslanges Ärgernis“. Aus der Begründung für die Preisverleihung: „Mediziner und der Gesundheitssektor werden in Umfragen regelmäßig zu 70, 80, 90 Prozent als besonderen Garanten für den Schutz der Privatsphäre gesehen und es ist daher besonders ärgerlich dass in diesem sensiblen Bereich die Bundesegierung mit einem zwangsweisen, lebenslangen, elektronischen Akten- und Überwachungssystem das Vertrauen der Bevölkerung nachhaltig missbrauchen will…“

So sehr auch die Kritik am E-Health-Gesetz von Bundesgesundheitsminister Gröhe berechtigt ist: Er hat sich – trotz diverser Forderungen von Lobbyisten – bislang noch nicht dafür hergegeben, die opt-in-Regelung in § 291a Abs. 3 i. V. m. Abs. 5 SGB V in ihr Gegenteil zu verkehren.

Misstrauisch macht auch folgender Auszug aus der Stellungnahme der vzbv: “Digitale Anwendungen fokussieren auf die Nutzer und beschreiben Prozesse aus ihrer Perspektive. Insbesondere alle mobilen Angebote zeichnen sich durch die große Nähe zum Nutzer und seinen individuellen Bedürfnissen aus. Klassische Versorgungsangebote betrachten Prozesse dagegen in der Regel aus der Perspektive der Leistungserbringer… Mangelnde Patientenorientierung ist aber das zentrale Defizit des deutschen Gesundheitswesens. Die Integration von Werkzeugen wie Smartphones und Apps, die auf das Handeln der Patienten abstellen, verursachen in der Praxis auch deshalb große Probleme, weil viele Ärzte nach wie vor nicht auf Augenhöhe mit Ihren Patienten kommunizieren…” (S. 4-5).

Selbst wenn der letzte Halbsatz für eine nennenswerte Minderheit von ÄrztIinnen stimmen sollte scheint diese Beschreibung mehr von Technik-Affinität als von Patientensicht und –erfahrungen bestimmt zu  sein.

Eine Petitesse soll in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben. Dr. Stefan Etgeton,  Cheflobbyist des Bertelsmann-Konzerns für den Bereich des Gesundheitswesens, war vor seiner derzeitigen Tätigkeit mindestens acht Jahren beim vzbv beschäftigt, davon mindestens drei Jahre als Leiter des Fachbereichs Gesundheit und Ernährung.

Ein Schalk, wer Böses dabei denkt!

1 Kommentar

  1. Guten Tag,
    bislang war ich der Meinung, daß eine Verbraucherorganisation vor allem die Rechte und den Schutz von Verbrauchern zu wahren hat, wenn jetzt ein aber ein ehemaliger Mitarbeiter dieser Verbraucherschützer
    zu einem Unternehmen wechselt das genau das Gegenteil dessen tut was früher seine Aufgabe war, oder noch interessanter, stark in das Gegenteil involviert ist dann hat das Ganze zumindest ein “Geschmäckle”
    Ich erwarte eigentlich von dem Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), daß er vor allem auf die Gefahren aufmerksam macht die aus der elektronische Gesundheitsakte erwachsen.

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