Telematik-Infrastruktur: Sicherheitslücken und Probleme mit den Konnektoren

datenschutzrheinmain/ Mai 29, 2019/ alle Beiträge, eGk - Telematik-Infrastruktur/ 1Kommentare

Zu diesen Thema lässt der Bayrische Rundfunk in einem Beitrag auf seiner Homepage mehrere Ärzte mit Erfahrungsberichten zu Wort kommen.

  • Zitiert wird der Zahnarzt Dr. Elmar Immertreu mit der Feststellung: „Ein Konnektor wurde im Januar installiert. Seitdem hat der Zahnarzt aber ständig Ärger, weil die Technik nicht funktioniert. ‚Das kann man sich nicht vorstellen, wie das ist, wenn sich das Wartezimmer füllt, die Leute schon genervt sind, dass sie solange warten müssen und ich telefoniere dann mit irgendwelchen Stellen in München oder Nürnberg oder sonst wo.‘ … Außerdem fürchtet er, dass bei der Installation seines Konnektors nicht alle Sicherheitsvorkehrungen eingehalten wurden. In Ländern, in denen Gesundheitsdaten bereits zentral gespeichert werden, gibt es immer wieder Pannen… Das deutsche System soll zwar besonders sicher sein, doch immer wieder gibt es Fälle, in denen Konnektoren falsch installiert werden.“
  • Und der Allgemeinmediziner Dr. Hans-Jörg Hilscher berichtet: Der Service-Mitarbeiter, der … den Konnektor installiert hatte, schloss den Rechner, der bisher aus Sicherheitsgründen nicht am Netz war, ans Internet an – ohne Virenschutz und Firewall… ‚Was ich jetzt habe, ist ein Rechner, der einen Internetzugang hat, auf den von außen jeder zugreifen kann. Der Internet-Explorer, der darauf läuft, ist auch noch eine alte Version, die sehr viele Lücken hat, so dass man von außen mit Sicherheit auf meine intimsten Daten zugreifen kann.‘ Und zwar auf die Gesundheitsdaten seiner Patienten.“
  • Zu Wort kommt auch der Zahnarzt Philipp de Azevedo. Bei ihm hat der Dienstleister des Konnektoranbieters das bisherige System, das die Daten in der Praxis geschützt hatte, außer Kraft gesetzt: ‚Dann habe ich erfahren, dass die Firewall ohne mein ausdrückliches Wissen abgeschaltet wurde, damit war ich nicht einverstanden.‘“

Der Verein Patientenrechte und Datenschutz e. V. hat deshalb bereits im April 2019 gefordert:

  1. Der TI-Rollout muss sofort gestoppt werden!
  2. Der bereits erfolgte, unsichere TI-Rollout muss rückgängig gemacht werden!
  3. Sanktionen (Honorarkürzungen) für Ärzte, die den Anschluss Ihrer Praxis an die TI verweigern, müssen aufgehoben werden!
  4. Bundesgesundheitsminister Spahn muss aus dem von ihm herbeigeführten Debakel die Konsequenzen ziehen!

1 Kommentar

  1. Beim BR wird ein Arzt mit der Aussage zitiert:

    “Deshalb hat er jetzt einfach den Stecker seines Konnektors gezogen. Für ihn ist das sicherer.”

    Dieses Sicherheitsgefühl trügt leider. Er hätte seinen PC vom Router oder den Router vom Internet trennen müssen. Das Problem ist ja, dass diese Strecke durch die Einrichtung des Konnektors unsicher gemacht wurde und sie wird nicht deswegen wieder sicher, dass man den Konnektor abstöpselt.

    Deshalb die Forderung von Patientenrechte und Datenschutz e.V., den Rollout der Telematikinfrastruktur nicht nur zu stoppen, um nicht noch die relativ wenigen verbliebenen Praxen unsicher zu machen, sondern auch den Rollout zurückzubauen, um die eingeführten Sicherheitslücken zurückzunehmen, die durch die Abschaltung von Firewall und Virenscanner entstanden sind. Die werden nämlich nicht magischerweise wieder aktiv, nur weil man den Konnektor abstöpselt!

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