Stellungnahme der britischen Datenschutzbeauftragten zur Verwendung von Live-Gesichtserkennungstechnologie an öffentlichen Orten

CCTV-NeinDanke/ Juni 19, 2021/ alle Beiträge, Biometrie, Internationales, Videoüberwachung/ 1Kommentare

Elizabeth Denham, Datenschutzbeauftragte (Information Commissioner) in Großbritannien, hat am 18.06.2021 einen Blog-Beitrag veröffentlicht, in dem sie zu Beginn u. a. feststellt:

wenn die Technologie und ihre Algorithmen eingesetzt werden, um die Gesichter von Menschen in Echtzeit und in öffentlicheren Kontexten zu scannen, steigen die Risiken für die Privatsphäre der Menschen.Ich bin zutiefst besorgt über die Möglichkeit, dass die Technologie zur Live-Gesichtserkennung (LFR) unangemessen, exzessiv oder sogar rücksichtslos eingesetzt wird. Wenn sensible persönliche Daten massenhaft ohne das Wissen, die Wahl oder die Kontrolle der Menschen gesammelt werden, könnten die Auswirkungen erheblich sein. Wir sollten in der Lage sein, mit unseren Kindern in ein Freizeitzentrum zu gehen, ein Einkaufszentrum zu besuchen oder eine Stadttour zu machen, um die Sehenswürdigkeiten zu besichtigen, ohne dass unsere biometrischen Daten bei jedem Schritt, den wir machen, gesammelt und analysiert werden. Im Gegensatz zu CCTV können LFR und seine Algorithmen automatisch erkennen, wer Sie sind und sensible Details über Sie ableiten. So können Profile erstellt werden, um personalisierte Werbung zu schalten oder Ihr Bild mit dem bekannter Ladendiebe abzugleichen, während Sie Ihren wöchentlichen Lebensmitteleinkauf erledigen. In Zukunft besteht die Möglichkeit, CCTV-Kameras mit LFR zu überlagern und es sogar mit Social-Media-Daten oder anderen “Big Data”-Systemen zu kombinieren – LFR ist CCTV in Superform…“

Im weiteren Verlauf ihres Beitrags erklärt die britische Datenschutzbeauftragte: In den USA haben die Menschen kein Vertrauen in die Technologie. Einige Städte haben den Einsatz der Technologie in bestimmten Zusammenhängen verboten und einige große Unternehmen haben ihre Gesichtserkennungsdienste pausiert, bis es klarere Regeln gibt. Ohne Vertrauen gehen die Vorteile, die die Technologie bieten kann, verloren.“

Der Beitrag von Elizabeth Denham ist in deutscher Übersetzung hier im Wortlaut nachlesbar.


Im Februar 2021 hat das Bündnis „Reclaim Your Face“ eine

Europäische Bürgerinitiative zum Verbot biometrischer Massenüberwachung

ins Leben gerufen. Der Chaos Computer Club (CCC) und mehr als vierzig weitere europäische Organisationen rufen dazu auf, die Petition mitzuzeichnen.

Die Initiative soll das Thema biometrische Massenüberwachung auf die politische Tagesordnung in Brüssel setzen und den zuletzt unregulierten Wildwuchs stoppen. Die europaweite Petition kann unter reclaimyourface.eu gezeichnet werden.

Zunächst müssen innerhalb eines Jahres eine Million Unterschriften in mindestens sieben EU-Ländern gesammelt werden. Wird dieses Ziel erreicht, muss die EU-Kommission die Organisatorinnen der Initiative treffen. Außerdem muss die Kommission nach einer öffentlichen Anhörung im Europäischen Parlament ihr weiteres Vorgehen im Sinne der Initiative erläutern. Auf diese Weise wollen wir ein Moratorium für sämtliche Versuche mit dieser Risikotechnologie erreichen.

JetztBürgerinitiative unterzeichnen!

1 Kommentar

  1. Nette Idee, nur leider sehr naiv. Es gibt kein Moratorium auf Menschenrechte und jede Oppressionstechnologie die verfügbar ist, wird auch genutzt. Es ist nur eine Frage der Zeit bis ALLE Kameras, egal ob privat oder staatlich, über ein zentrales Netz laufen und jedes Gesichts scannen. Wer glaubt das durch politische Wahlen oder Proteste verhindern zu können, dem ist nicht zu helfen. Satelliten und Dronen sind wahrscheinlich auch bald ‘normal’.

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