Gesichtserkennung mittels Videoüberwachung beim Einkauf: No-Go für die Mehrheit der Verbraucher

datenschutzrheinmain/ Oktober 9, 2017/ alle Beiträge, staatliche Überwachung / Vorratsdatenspeicherung, Videoüberwachung/ 0Kommentare

Die Verbraucherzentrale NRW hat am 05.10.2017 das Ergebnis einer Umfrage zum Einsatz von Videoüberwachung mit Gesichtserkennung in Supermärkten und sozialen Netzwerken veröffentlicht. Mit interessanten Ergebnissen:

  • Vier von fünf (78 Prozent) Befragten haben schon einmal davon gehört, dass Gesichtserkennung im Verbraucheralltag zum Einsatz kommt.
  • Die Auswertung von Gesichtsaufzeichnungen für zielgruppenspezifische Werbung stößt bei drei Viertel der Befragten auf große Ablehnung (76 Prozent „überhaupt nicht“/„eher nicht in Ordnung“).
  • 71 Prozent lehnen auch eine Auswertung für zielgruppengerechte Rabatte ab.
  • Vor allem die Analyse des Gesichtsausdrucks zur Verbesserung von Werbespots wird von den Teilnehmern überwiegend kritisch gesehen (83 Prozent).

Die mehrheitliche Ablehnung spiegelt lt. Mitteilung der Verbraucherzentrale NRW auch in den Datenschutzbedenken wider: Beim Einsatz von automatisierter Gesichtserkennung im Supermarkt wäre die Mehrheit besorgt, dass unbemerkt Informationen über sie gesammelt werden könnten (84 Prozent). Sie stören sich daran, in diesem Fall keine Kontrolle über die gesammelten Informationen zu haben (82 Prozent). Nur knapp ein Viertel (24 Prozent) vertraut darauf, dass die gesammelten Informationen nicht ohne Erlaubnis mit anderen Unternehmen geteilt und die Datenschutzinteressen im Auge behalten werden. Über zwei Drittel (69 Prozent) geben an, seltener oder überhaupt nicht mehr in einem Supermarkt einkaufen zu wollen, wenn dieser Gesichtserkennungstechnologie einsetzen würde.

Bleibt die spannende Frage:

Wenn eine Mehrheit der VerbraucherInnen Videoüberwachung mit Gesichtserkennung im Supermarkt ablehnt, warum akzeptiert dann eine (scheinbare) Mehrheit der BewohnerInnen dieses Landes Videoüberwachung mit Gesichtserkennung auf öffentlichen Straßen und Plätzen?

Die Instrumente sind gleich, Informationen werden unbemerkt gesammelt, eine Kontrolle über die erhobenen und gespeicherten Daten ist den Betroffenen kaum möglich. Und das Vertrauen in die Seriosität und das rechtsstaatliche Handeln von Sicherheitsbehörden und Geheimdiensten müsste nach den NSA- und NSU-Skandalen ähnlich niedrig sein wie es – lt. Umfrage – gegenüber den Einzelhandelsunternehmen ist…

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