Ärzte, rückt die Patientendaten raus!

adinfinitumfr/ April 3, 2016/ eGk - e-Health-Gesetz - Telematik-Infrastruktur, Patientenrechte / Patientendatenschutz/ 0Kommentare

Es geht voran mit den Plänen zur Übertragung unserer Patientendaten über die Telematikinfratruktur. Am 23. März teilt die medisign GmbH in einer Pressemitteilung mit, dass sie eletronische Arztausweise kostenlos an die Ärzte verteilen will. Sogar der Austausch gegen den Ausweis der zweiten Generation, der Voraussetzung für die Verwendung zur Übertragung von elektronischen Arztbriefen soll kostenlos erfolgen, sobald diese zweite Generation zur Verfügung steht:

“Wenn Ärzte jetzt bei uns einen Arztausweis bestellen, können sie diesen innerhalb der Mindestlaufzeit von 24 Monaten kostenfrei gegen einen G2-Ausweis eintauschen, sobald sie einen Konnektor im Einsatz haben”, verspricht Armin Flender, der sich seit Dezember 2015 die medisign-Geschäftsführung mit Peter Schlögell teilt. Nach Ablauf der Mindestlaufzeit sei der Umtausch grundsätzlich zu marktüblichen Preisen und bequem ohne weitere Antragstellung möglich.

Außerdem bietet medisign eine Stapelsignaturfunktion an, die das zeitsparenden elektronische Signieren von bis zu 254 Arztbriefen auf einmal ermöglicht:

Das seit diesem Jahr gültige eHealth-Gesetz sieht eine Förderung des elektronischen Artzbriefversandes mit 55 Cent vor. Könnte der Arzt stets 254 Briefe auf einmal eletronisch unterschreiben, würde der lächerlich erscheinenende Förderbetrag immerhin schon auf 139,70 Euro anwachsen, was schon eine deutliche Motivation darstellen könnte. Doch ist es realistisch, von solchen Anzahlen auszugehen? In einer Infas-Studie findet sich ein Mittelwert von 58,5 Patienten pro Tag für eine Arztpraxis. Es ist daher davon auszugehen, dass die maximale Zahl gleichzeitiger Signaturen eher nicht ausgeschöpft wird.

Bemerkenswert ist jedoch, dass die Ärzte nicht nur von Gesetzgeberseite, sondern auch von Unternehmen der Gesundheitwirtschaft dazu motiviert werden, Arztbriefe elektronisch statt wie bisher auf Papier zu übermitteln. Warum verschenkt medisign hierfür nötige Ausstattungskomponeneten? Als gewinnorientiertes Unternehmen macht man so etwas nur, wenn man dafür in der Zukunft um so bessere Geschäfte erwartet.

Welche Konsequenzen hat dies für die Patienten und ihr Verhältnis zum behandelnden Arzt? Wenn der Patient sich nicht sonderlich dafür interessiert, was mit seinen Patientendaten passiert, dann wird er von diesen Aktionen nicht viel merken, weil er die derzeit notwendige Zustimmung für den elektronischen Arztbrief einfach erteilen wird. Wenn er jedoch seine Arztbriefe nicht in einer Telematikinfratruktur wissen will, dann wird es für ihn schwieriger werden, diese Zustimmung zu verweigern, wird der Arzt doch den sanften Druck aus Richtung Regierung und Wirtschaft auf ihn weiterleiten.

Man könnte es auch so ausdrücken: “Wir wollen mehr von euren Patietendaten. Die Artzbriefe sind uns sogar so wichtig, dass wir sogar andere dafür bezahlen wollen.” Schließlich gibt sogar die Bundeskanzlerin die Marschrichtung vor. Anläßlich der CeBIT beklagte sie ausdrücklich, dass “sich Deutschland an manchen Stellen noch schwerer als andere Länder [tut], diese Daten auszuwerten.

Links:
http://www.medisign.de/30unternehmen/30presse/05news_archiv/36-eArztbrief-Angebot.html
http://www.kbv.de/media/sp/20140825_infas_praesentation_termintreue_kbv.pdf
http://initiative-patientendaten.de/?p=302

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