Ratgeber: Alternative schnüffelfreie Online Dienste – heute: E-Mail-Anbieter

schuetze/ Mai 30, 2016/ alle Beiträge, praktische Tipps, Presse / Termine / praktische Tipps, Telekommunikations-Überwachung, Verbraucherdatenschutz/ 0Kommentare

In unserer Serie “Praxistipps” möchten wir hier nach Anwendungsgebieten einige Dienste in Kürze vorstellen, die als Alternativen zu den gängigen und bekannten Angeboten genutzt werden können, im Gegensatz zu diesen aber von Spenden, Förderungen oder kleinen Kostenbeteiligungen leben und daher kein exzessives Datensammeln nötig haben.

Teil 2: E-MAIL-ANBIETER

“Kein Dienst ist kostenlos – der Preis sind unsere Daten.” – Dieses Paradigma dürfte mittlerweile allen Internetnutzern bekannt sein. Kein Anbieter kostenloser Dienste, welche wie bei E-Mail nicht unerhebliche Betriebskosten (Server, Speicherplatz etc.) erfordern, wird diese Dienste aus reiner Nächstenliebe betreiben, sondern benötigt ein Geschäftsmodell, welches ihm die Finanzierung der Dienste erlaubt. Meist erfolgt die Refinanzierung durch die Schaltung zielgerichteter Werbung: der Anbieter erhält durch die AGB das Recht, die Mailinhalte automatisiert nach Schlüsselworten zu durchsuchen und darauf basierend zielgerichtet Werbung für die Benutzer einzublenden. Kleine Beträge erhält er von den Inserenten der Werbung für das Einblenden (pay per view), höhere für Anklicken von Werbeanzeigen (pay per click) und gar Provisionen bei Zustandekommen von Einkäufen (affiliates).

Leider unterliegen gerade die bekanntesten Anbieter kostenloser E-Mail-Dienste (Google mit GMail, Microsoft mit Outlook / Live, Apple mit iCloud, Yahoo etc.) nicht einmal europäischem, geschweige denn deutschem Datenschutzrecht. Oft schließen die AGB einen Weiterverkauf der gesammelten Daten (und damit Benutzerprofile nebst Vorlieben, abonnierter Newsletter, Shop-Einkäufe etc.) an Dritte mit ein. Daher raten wir dringendst davon ab, derartige Angebote von Betreibern außerhalb der EU zu verwenden. Bedenken sollte man hier übrigens auch, dass man mit der Nutzung eines derart zweifelhaften Dienstes nicht nur selbst die bewusste Entscheidung zur Aufgabe der Privatsphäre trifft sondern auch all jene, mit denen man per E-Mail kommuniziert, mit in diesen Sumpf hineinzieht, denn die Anbieter scannen auch deren Mails (Absenderadresse, Mailsignatur mit ggf. Wohnadresse, Handynummer usw.), die sie uns senden!

Soll es unbedingt ein kostenloser Dienst sein, so sollte zumindest auf einen deutschen Anbieter zurückgegriffen werden, so dass dieser deutschem Datenschutzrecht unterliegt: GMX (https://www.gmx.net/mail/freemail/), T-Online (https://freemail.t-online.de/), Web.de (https://web.de/email/) sind in ihrem Funktionsumfang vergleichbar. Wir möchten hier keine Funktionsanalyse oder ausführlichen Freemail-Anbieter-Vergleich aufstellen, dies können professionelle Redaktionen besser als wir, möchten hier aber einen Fragenkatalog aus Datenschutz-Sicht aufstellen, an den vielleicht nicht immer gedacht wird:

  1. Wird der Aufruf des Login-Formulars immer auf https umgeleitet, so dass man sich nicht versehentlich per http anmeldet?
  2. Ist ein verschlüsselter Abruf der E-Mails mittels IMAPS und verschlüsselter Versand über SMTPS möglich?
  3. Zwingt mich der Anbieter zur Angabe meiner Handynummer (wie z. B. mail.de)? Von derartigen Datensammlern, welche dies meist mit “Sicherheit” für Passwort-Vergessen begründen, raten wir ab!
  4. Verlangt der Anbieter meine postalische Adresse? Keinerlei Rechtsgrundlage in Deutschland zwingt einen Anbieter zur Erfassung dieser Daten!
  5. Verlangt der Anbieter gar noch mein Geburtsdatum? Es gibt keinen Grund, dieses zu verlangen, allenfalls die Volljährigkeit könnte ggf. in Bezug auf den Vetragsschluss relevant sind, hierfür ist aber kein Geburtsdatum nötig sondern es genügt ein Haken “ich bin volljährig”.
  6. Welche Rechte nimmt sich der Anbieter mit seinen AGB heraus (Mails automatisiert auswerten, Filterfunktionen, Weitergabe der Daten an Dritte etc.)?
  7. Liefert der Anbieter Transparenzberichte zu einer Anzahl von Datenbestandsabfragen durch Ermittlungsbehörden und wie mit diesen umgegangen wird?
  8. Stellt der Anbieter ein Datenschutz-Verfahrensverzeichnis zur Verfügung und schafft somit Transparenz, wer Einblick in welche Daten hat?

Noch datenschutzfreundlicher wird die Nutzung eines Anbieters, wenn dieser von den Nutzern einen kleinen Obulus für den Dienst verlangt, denn dann besteht kein Bedarf mehr an einer Finanzierung durch automatisierte Auswertungen der Postfachinhalte und die nervende Werbung entfällt. Herausheben möchten wir hier die beiden Testsieger der Stiftung Warentest (https://www.test.de/E-Mail-Provider-Mail-Dienste-sehen-alles-4806144-0/): Posteo (https://posteo.de/de) und Mailbox.org (https://mailbox.org/). Beide Anbieter betreiben ihren Service mit deutschen Providern (Betrieb mit 100 % Ökostrom), arbeiten mit ethisch korrekt arbeitenden Banken zusammen, bieten vollständig anonyme Postfächer (die Kosten können sogar in bar per Brief auf das Postfachkonto eingezahlt werden) und setzen sich für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie faire Gehälter ein. Beide Anbieter stellen Postfächer ab 1 € pro Monat zur Verfügung.

Sofern unsere Leser weitere datenschutzfreundliche Postfachanbieter kennen, nehmen wir diese gerne über die Kommentarfunktion mit auf.

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