„Wir sind offline!“: Warum ein Bochumer Arzt den Anschluss an die Telematik-Infrastruktur (TI) verweigert
Das ist Thema eines Beitrags in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) vom 08.02.2026. Darin kommt der Facharzt für Allgemeinmedizin Dr. Lothar Rudolph umfangreich zu Wort. Seine Weigerung, seine Praxis an die TI anzuschließen, begründet er gegenüber der WAZ mit der Aussage: „Der wertvollste Rohstoff, den wir Ärzte und Therapeuten in den Händen halten, ist Vertrauen. Deshalb gibt es seit über 2000 Jahren die ärztliche Schweigepflicht… Wenn ich mich aber der Telematik anschließe, dann kann ich diesen Schutz nicht mehr garantieren.“
Auch auf der Praxishomepage, die im Unterschied zum Beitrag in der WAZ nicht hinter einer Bezahlschranke liegt,

machen Dr. Lothar Rudolph und seine Praxiskollegin Sabine Scherf-Litschel ihre Einwände gegen die TI und die elektronische Patientenakte (ePA) unmissverständlich deutlich: „Unsere Patienten kennen uns als Ärzte, die stets mit der Zeit gegangen sind, wenn es darum ging, die Vorzüge von Computern für einen optimalen Praxisablauf zu nutzen. Wir sind seit 2006 eine ‚papierlose‘ Praxis und alle Informationen werden seitdem digital in unserem lokalen Praxisnetzwerk gespeichert. In unseren Augen sind dabei allerdings nun Grenzen erreicht, die die Sicherheit der Gesundheitsdaten unserer Patienten potentiell gefährden. Wir sind – wie viele namhafte IT-Sicherheitsexperten – der Ansicht, dass es in absehbarer Zukunft keine wirklich sicheren zentralen Datenspeicher gibt. Trotz hochgepriesener Verschlüsselungen und hoher Sicherheitsstandards lässt sich ein Schutz der intimen Krankendaten nicht sicher garantieren, sobald die Daten einmal zentral gespeichert sind… Deshalb haben wir uns dazu entschlossen alles zu unternehmen, um die Gesundheitsinformationen unserer Patient/innen, so gut es geht vor fremden, unerlaubten Zugriff zu schützen.Damit widersetzen wir uns der von der Gesundheitspolitik geforderten Teilnahme am Telematik Infrastrukturgesetz…“
Und die beiden Ärzt*innen lassen sich Ihre „Renitenz“ etwas kosten. Die WAZ informiert: „37.422 Euro und 68 Cent: Das, sagt Dr. Lothar Rudoph, ist ‚der Preis für unsere ärztliche Schweigepflicht‘. Mit Kreide ist die Zahl auf eine Tafel geschrieben, die hinter der Emfangstheke in seiner Praxis in Bochunm an der wand lehnt. Alle drei Monate aktualisiert der Hausarzt die Summen, den mit jedem Quartal steigt sie an.“
Chapeau! nach Bochum.
Elektronische Patientenakte soll Dreh- und Angelpunkt des Primärversorgungssystems werden
Mittwoch, 11. Februar 2026
https://www.aerzteblatt.de/news/elektronische-patientenakte-soll-dreh-und-angelpunkt-des-primarversorgungssystems-werden-41863b8d-749f-4a17-9678-f7dc5040008a